Monatliche Archive: Juni 2012

8. Juni 2012 Rückblick auf den IHE Connectathon in Bern

Der 12. Europäische IHE Connectathon in Bern war ein voller Erfolg. Mit dem Besuch von Bundesrat Alain Berset erlebte die Veranstaltung am Donnerstag, 24. Mai 2012 Ihren Höhepunkt.

Ein persönlicher Erlebnisbericht von Tony Schaller, medshare GmbH. Tony Schaller war in seiner Rolle als technischer Projektleiter der IHE Suisse für die technische Infrastruktur am IHE Connectathon in Bern verantwortlich.

Sowohl die Teilnehmer des Connectathons, wie auch die VIP-Teilnehmer der Konferenz «Europe meets Swiss eHealth» haben viele positive Rückmeldungen abgegeben. Die Zufriedenheitsumfrage der Connectathon Teilnehmer stellt der IHE Suisse als organisierende Länderorganisation der internationalen IHE Initiative ein hervorragendes Zeugnis hinsichtlich Organisation und Infrastruktur aus. Diese Rückmeldung wird mit der Tatsache unterstrichen, dass in der Geschichte der Europäischen Connectathons noch nie ein so hoher Anteil an verifizierten Tests verbucht werden konnte. Bild: Daniel Bleuer

Geführte Touren

Während der Connectathon Woche wurden zahlreiche geführte Touren durch die Testhalle organisiert. Sämtliche Touren waren komplett ausgebucht. Über hundert Meinungsbildner aus dem Gesundheitswesen der Schweiz haben sich dabei an Ort und Stelle über Sinn und Zweck eines IHE Connectathons informieren lassen.
Bild: Jan Bhalla

Sogar Bundesrat Alain Berset, Vorsteher Eidgenössisches Departement des Innern (EDI) und damit «Gesundheitsminister der Schweiz», liess sich von Tony Schaller durch den Connectathon führen und vom IHE-Spirit beeindrucken.
Bild: Christoph Knöpfel

IHE-Spirit

Es ist auch für erfahrene Connectathon Teilnehmer und Schiedsrichter immer wieder beeindruckend zu erleben, dass sich Firmen und Softwareentwickler eine Woche lang in einer Testhalle einschliessen und dies mit dem einzigen, gemeinsamen Ziel:
Mit den Konkurrenten am Markt interoperabel zu sein.

Nutzen für die Hersteller

Ausserhalb des Connectathons kann nirgends innerhalb weniger Arbeitstage die eigene Software auf Interoperabilität mit Konkurrenzprodukten getestet und gegebenenfalls korrigiert werden. Nur am Connectathon sind die relevanten Personen (Entwickler, Schiedsrichter und nicht selten auch Autoren der Spezifikationen) im gleichen Raum und nehmen sich für einander Zeit. Nicht selten ziehen sich die Softwareentwickler abends nach Schliessung der Connectathon-Testhalle in ihre Hotelzimmer zurück, um in der eigenen Software Erweiterungen zu implementieren oder Korrekturen vorzunehmen und am Folgetag allfällige, fehlgeschlagenen Tests erneut durchzuführen. Die Publikation der Testresultate der IHE Webseite kann zu Marketingzwecken durch die Hersteller genutzt werden. Ein Eintrag beweist die erfolgreiche Teilnahme an den IHE Connectathons und ist dank der Tatsache, dass die Datenbank durch die neutrale IHE Organisation geführt wird, besonders aussagekräftig. Darüber hinaus können die Hersteller mittels Selbstdeklaration sogenannte «Integration Statements» publizieren. Diese zeigen dem interessierten Leser in einem über alle Hersteller vereinheitlichten Layout auf, welche IHE Akteure und Transaktionen durch ein bestimmtes Produkt unterstützt werden.

Nutzen für Anwender

Dank der, durch IHE zunehmend vereinheitlichten Schnittstellen werden Softwaresysteme einfacher austauschbar. Kunden erhalten somit mehr Handlungsspielraum bei der Wahl der Lieferanten. Zudem werden mit der Publikation der Testresultate entsprechende Aussagen der Anbieter verifizierbar. Beschaffungen werden effizienter, da einerseits der Aufwand zur Erstellung von Ausschreibungen mit der Nennung der verlangten IHE Profile wesentlich reduziert werden kann und die eingehenden Angebote damit besser vergleichbar werden. Darüber hinaus kann der Kunde davon ausgehen, dass Fehler, die an einem IHE Connectathon gefunden werden, bei der Migration in seinem Umfeld nicht mehr auftreten. Wenn ein Test als erfolgreich publiziert wird, bedeutet das nämlich, dass der Hersteller den Test mit mindestens drei Konkurrenzsystemen erfolgreich durchgeführt hat.

Zahlen und Fakten

Ein paar beeindruckende Informationen zum Event in Bern:

  • 350 Teilnehmer (inkl. Schiedsrichter)
  • 83 Herstellerfirmen; 10 davon aus der Schweiz)
  • 46 Monitore (Schiedsrichter; 12 davon aus der Schweiz)
  • 18 Nationen

Bild: Jan Bhalla

Insgesamt wurden in 4½ Arbeitstagen knapp 3’000 Testinstanzen von den Herstellern durchgeführt. Davon konnten satte 97,3 % durch die Monitore (Schiedsrichter) verifiziert werden. Nur gerade 78 Testinstanzen konnten aus Zeitgründen nicht geprüft werden (2,7 %).

Herausragende Leistung der Monitore

Aus den genannten Zahlen lässt sich interpretieren, dass pro Monitor im Durchschnitt mehr als 65 Tests verifiziert worden sind. In Anbetracht der zum Teil sehr hohen Komplexität einzelner Tests, ist die aus obigen Zahlen errechenbare, durchschnittliche Bearbeitungszeit von etwas mehr als 30 Minuten pro Test-Verifizierung eine besonders nennenswerte Leistung. Diese Leistung beweist sowohl ein hohes Fachwissen, wie auch ein riesiges Engagement der Monitore. Das Engagement der Monitore gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil zahlreiche Monitore Ferien beziehen, damit sie am Connectathon teilnehmen können.
Bild: Jan Bhalla

Internationale Initiative

Unternehmen aus folgenden 18 Ländern weltweit waren in Bern vertreten:

  • Belgien
  • Dänemark
  • Deutschland
  • England
  • Finnland
  • Frankreich
  • Israel
  • Italien
  • Japan
  • Korea
  • Niederlande
  • Österreich
  • Portugal
  • Schweiz
  • Slowenien
  • Spanien
  • Türkei
  • USA

Connectathon Netzwerkinfrastruktur

Folgende Netzwerkinfrastruktur wurde eigens für den 5 Tage dauernden Connectathon aufgebaut:

  • 2 km Patchkabel
  • 620 m Glasfaserkabel
  • Internetverbindung mit 50MB Up-/Download
  • 6 WiFi Access Points
  • separate SSID (eine für Monitore und eine für alle anderen Teilnehmer)
  • 7 virtuell LAN
  • 12 Switches für Endanschlüsse
  • volle Fail-Over Redundanz durch doppelte Verkabelung, doppelte Core-Distribution Switches und doppelte Firewalls
  • 7 externe statische IP Adressen inkl. NAT auf Systeme der Teilnehmer am CAT (für epSOS)
  • 510 statische IP Adressen für Testsysteme der teilnehmenden Hersteller
  • je 350 LAN und Strom Anschlüsse

Bild: Jan Bhalla

Fazit

IHE löst zwar lange nicht alle Fragestellungen im komplexen eHealth Umfeld, aber wo IHE Profile vorhanden sind und eingesetzt werden, erhöht sich die Interoperabilität und damit auch die Qualität. Durch die Anwendung von IHE Integrationsprofilen muss nicht jeder Hersteller das Rad immer wieder neu erfinden und damit wird weniger Zeit als bisher für Fleissarbeiten beansprucht. Ebenfalls werden weniger Fehler im Rahmen von Kundenprojekten korrigiert werden müssen und es muss auch weniger Wartungsaufwand für proprietäre Schnittstellen geleistet werden. Die Hoffnung, dass diese Entwicklung positive Auswirkungen auf Produktepreise oder zumindest positive Auswirkungen hinsichtlich Innovation und Kreativität der Softwareprodukte hat, ist also berechtigt.Unsere Empfehlung für zukünftige Projekte lautet deshalb:
«So wenig IHE fremder Dialog wie möglich, aber so viel wie nötig»

Links